Was passiert mit den jungen Talenten, die den Sprung nicht schaffen?

Von Tony Mamodaly:

Mind Game Sport ist eine Beratungsagentur, die es sich zur Aufgabe gemacht hat talentierten Fußballern aus der Eindimensionalität des deutschen Profi-Fußball auszubrechen. Agierend an der Schnittstelle zwischen College Vermittlungsservice und Spielerberatungsagentur, hat sich die von Tony Mamodaly gegründete Agentur das Ziel gesetzt jungen Fußballern mithilfe von Fußballstipendien in den USA neue Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen.

 „Nur weniger als 5% der Spieler aus den Nachwuchsleistungszentren den Sprung nach oben, darunter die 3. Liga mitinbegriffen.“ Das bedeutet im Klartext, dass 95% aller Jungs, die teilweise seit ihrem zehnten Lebensjahr vier- bis fünfmal die Woche trainiert haben, jedes Wochenende hunderte von Kilometern zu Spielen gereist sind und den Großteil ihrer Jugend dem großen Traum Fußballprofi zu werden untergeordnet haben, am Ende ihrerJugendkarriere mit 18 Jahren in der vierten oder fünften Liga landen – oder die Schuhe gar komplett an den Nagel hängen.

Ich bin einer von ihnen. Seit meinem 6. Lebensjahr habe ich Fußball gespielt, dazu habe ich ein Jahr später noch mit dem Handball angefangen. Bis zu meinem 17. Geburtstag spielte ich parallel für die B-Junioren der Rhein-Neckar Löwen und die U17 der TSG Hoffenheim. Im Handball durfte ich gar zwei Landerspiele für Deutschland bestreiten. Dass ich früher oder später eine Entscheidung für die eine oder andere Sportart treffen musste war klar. Obwohl ich im März 2017 nach dem Länderspiel gegen Dänemark meine Handballschuhe an den Nagel hängte, verfrachtete man mich in Hoffenheim im entscheidenden U19 Jahr aufs Abstellgleis. Rückblickend ein gravierender Einschnitt.

Gezwungenermaßen wechselte ich mit 18 zum Karlsruher SC, wo es für mich leider nicht so gut lief. Nach einem geplatzten Transfer zu Dundee United in Schottland, landete ich bei Dynamo Dresden, wo ich mich über die U23 fürs 3. Liga Team beweisen sollte. Nach 1 ½ Jahren in Dresden in denen ich sportlich keine Rolle im Club spielte und zusätzlich unter chronischen Patellarsehnen-Problemen litt, erreichte ich dann 2011 mein persönliches Tief. Aufgrund mangelnder Perspektiven landete ich nach Vereinslosigkeit im VDV Camp, ein von der Spielergewerkschaft VDV organisiertes Trainingscamp für vereinslose Profifußballer und Rekonvaleszenten. 

Was bedeutete das für mich? Ich war vereinslos, durfte erst im Juni wieder einen neuen Vertrag unterschreiben und würde 5 Monate ohne Mannschaftstraining, ohne Gehalt und ohne Ziel überbrücken müssen. Mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen. Alles wofür ich seit Jahren so hart gearbeitet hatte, war plötzlich verschwunden. Ich fiel in einen depressionsartigen Zustand, hatte Panikattacken, litt unter Lust- und Antriebslosigkeit und fragte mich oft wofür ich morgens überhaupt aufstehen sollte.

Nur durch Zufall erfuhr ich ein paar Wochen später von der Möglichkeit in den USA Fußball und Studium im College zu verknüpfen. Ich wusste nichts über das System, konnte die Sprache nicht. Ende 2012 zog ich von Mannheim nach Miami, wo ich ein Vollstipendium im Wert von $240.000 erhalten hatte. Vom ersten Tag an schwor ich mir alles zu geben, das Vertrauen zurückzuzahlen und so hart an mir zu arbeiten, dass ich mich nie wieder in ein solches Abhängigkeitsverhältnis begeben zu müssen. Durch die Kombination von Studium und Fußball konnte ich nicht nur zweigleisig planen, sondern verspürte auch deutlich weniger Druck auf meinen Schultern. Dazu hatte ich durch meine taktisch-technische Grundausbildung und meiner Erfahrung auf dem Platz einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Dadurch entwickelte ich neues Selbstbewusstsein, durch das Selbstbewusstsein kamen die guten Leistungen zurück. Durch die guten Leistungen machte Fußball plötzlich wieder Spaß.

Nach 3 Jahren an der Uni in Miami durfte ich meinen Bachelor feiern – mit 1.0, als Jahrgangsbester. Das ist deswegen verrückt, weil ich nie großen Wert aufs Lernen gelegt hatte. In der Schule hatte ich mein Abitur mit Ach und Krach mit 2.9 geschafft. Im März 2015, also kaum 3 Jahre nachdem mich kein Regionalligist in Deutschland mehr unter Vertag nehmen wollte, erhielt ich innerhalb einer Woche die Zusagen von Harvard und Columbia University, zwei der besten Unis der Welt, die ich vorher nur aus Filmen kannte.

Das war mein persönlicher Wendepunkt, der Moment an dem ich beschloss meine Erfahrung an all die Jungs zurückzugeben, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, wie ich damals. Noch bevor ich mich entschied meinen Master an der Columbia University in New York zu beginnen, gründete ich die Agentur Mind Game Sport. 

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