Was brauchen junge Talente?

Von Tony Mamodaly:

Mind Game Sport ist eine Beratungsagentur, die es sich zur Aufgabe gemacht hat talentierten Fußballern aus der Eindimensionalität des deutschen Profi-Fußball auszubrechen. Agierend an der Schnittstelle zwischen College Vermittlungsservice und Spielerberatungsagentur, hat sich die von Tony Mamodaly gegründete Agentur das Ziel gesetzt jungen Fußballern mithilfe von Fußballstipendien in den USA neue Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen.

Das ist eine von zwei elementaren Frage, die mich seit Jahren beschäftigt. Klar ist Qualität, Talent, Ehrgeiz, Disziplin, Wille, Selbstbewusstsein und Resilienz (die Fähigkeit gegen Widerstände ankämpfen zu können) allein sind nicht ausreichend. Vielmehr würde ich diese lernbaren und für jeden Spieler selbst beeinflussbaren Faktoren als absolute Grundvoraussetzung einstufen.

Denn nur wer diese Fähigkeiten mit sich bringt ist überhaupt gewappnet sich den unbeeinflussbaren, äußeren Faktoren, die den Unterschied zwischen einem späteren Bundesliga- oder Regionalligaspieler ausmachen können, entgegenzusetzen. Zu diesen Einflussfaktoren gehören unter anderem Verletzungsfreiheit, das richtige Umfeld eines Spielers, das Vertrauen des Trainers, sowie die potentielle Unterstützung eines gut vernetzten Beraters oder Mentors. Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Faktor Glück. Denn tatsächlich nimmt der Faktor Glück im hochumkämpften Fußballgeschäft in der Entscheidung, ob ein Spieler den Sprung schafft oder nicht, eine immense Rolle ein.

Bitte verstehe mich hier nicht falsch, mit Glück meine ich nicht, dass ein Spieler, der die oben genannten Grundvoraussetzungen nicht mit sich bringt, plötzlich auf wundersame Weise von einem Tag auf den anderen Profi wird. Nein mit Glück meine ich vielmehr, das Glück zu haben sowohl im kurzfristigen, als auch im mittel- und langfristigen Kontext zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ist beispielsweise mein Spielertyp in dem Verein, in dem ich spiele, gerade gefragt? Hat die Profiabteilung meines Vereins gerade Bedarf auf meiner Position? Steht der Trainer auf junge Spieler? Sind die Profis gerade erfolgreich und der Trainer kann es sich leisten einen jungen Spieler mal ins kalte Wasser zu schmeißen? Hat der Verein finanzielle Möglichkeiten (inter)nationale Top-Spieler auf meiner Position zu kaufen oder sind die finanziellen Mittel begrenzt und der Verein verpflichtet mit jungen Spielern zu arbeiten? Ist gerade ein Local Player Platz im Team frei und kein anderer Spieler aus dem Umkreis verfügbar, der einen Profi-Vertrag unterschreiben kann? All dies sind Punkte, die vorausgesetzt, dass ein Spieler die Grundvoraussetzungen mitbringt, mithilfe des Faktors Glück darüber entscheiden können ob ein Talent die Chance erhält Bundesliga-Spieler zu werden oder, wie die übrigen 98% der hochtalentierten Spieler, den Sprung verpasst.

Wieso Glück im Fußball eine so wichtige Rolle Spielt?

Im Basketball wird ein Spieler, der viele Punkte erzielt, die meisten Assists oder Rebounds sammelt, als gut oder sehr gut eingestuft. In der Leichtathletik gilt der oder diejenige als sehr gut, die am Schnellsten über die 100 Linie sprintet oder am Höchsten über eine Latte springt. Das selbe Schema lässt sich auf etliche andere Sportarten übertragen. Christian kennt das ja aus dem Triathlon. Wer gut ist, der ist gut und wenn er besser als seine Mitstreiter ist, gewinnt er am Ende auch.

Hier verhält sich die Entscheidungsfindung im Fußball deutlich subjektiver und komplexer. Jeder von uns kennt die klassischen Stammtischdiskussionen um den Lieblingsverein und dessen Leistungen des vergangenen Wochenendes. Während der Eine von Franck Ribery als „unglaublichen Fußballer mit einer wahnsinnig geilen Technik“ schwärmt, schimpft der Andere „ach komm, der egoistische Fuddler kann doch gar nix – der muss seinen Ball früher abspielen.“

Verrückterweise finden diese Diskussionen, wenn auch (zumeist) in deutlich analytischerer und sachlicherer Art und Weise, auch in den höchsten Entscheidungsebenen des Profi-Fußballs statt. Nehmen wir einmal folgendes Beispiel: Laut diversen Medienberichten wurde der türkische Nationalspieler Hakan Calhanoglu, der vor 2 Jahren für 21 Millionen Euro von Bayer Leverkusen zum AC Mailand wechselte und dort zu den absoluten Leistungsträgern seines Teams zählt, im Januar 2019 heftig vom Bundesligisten RB Leipzig umworben. In der Regel werden Transfers heutzutage nach wochen-, monate- oder gar jahrelanger penibelster Analyse eines Spielers, von den im Club verantwortlichen Entscheidungsträgern, sprich dem Trainer, der sportlichen Leitung sowie der Scouting Abteilung, unter Berücksichtigung der finanziellen Realisierbarkeit eines solchen Deals, gemeinsam geprüft und getätigt. Doch hier kommt es zu einem Kuriosum, das in Wahrheit gar nicht so kurios ist. Laut Transfermarkt.de habe die sportliche Leitung RB Leipzig großes Interesse am Freistoßspezialisten und bereits ein Angebot abgegeben. Allerdings habe die Scouting starke Bedenken an dem Transfer, da diese den Spieler nach genauer Analyse als „nicht gut genug“ befunden hat.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das bedeutet, dass hier vereinsintern zwei völlig entgegengesetzte Meinungen aufeinanderprallen; die Meinungen hocherfahrener Trainer, Manager und Scouts, die sich tagtäglich mit nichts anderem als Fußball auseinandersetzen und dies in Leipzig zweifelsfrei auch sehr gut machen. 

Das mag zum einen an der Komplexität Spiels und verschiedener Spielphilosophien liegen, zum anderen aber natürlich auch an der finanziellen Bedeutung eines solchen Deals. Doch die Entscheidungsprozesse sind, mit Ausnahme der finanziellen Größenordnung, kongruent für alle jungen Talente, die den Sprung aus der einem Nachwuchsleistungszentrum in den eigenen Profibereich schaffen wollen.

Kontakt

Für Fragen, Antworten und Infos stehen WIR Dir gern zur Verfügung!